Gute Vorsätze für die neuen, „goldenen“ Zwanziger

München, 14.01.2020 – Typische gute Vorsätze zum Jahreswechsel sind häufig mehr Sport und Gewichtsreduktion, gesunde Ernährung, weniger Alkohol oder Nikotinverzicht, aber auch mehr „offline“ zu sein und umweltbewusster zu agieren. Das Schlechte an guten Vorsätzen - meistens geraten sie schnell in Vergessenheit und die alten Gewohnheiten werden wiederaufgenommen. Nehmen Sie sich nicht zu viel vor, lieber in kleinen Schritten ganz nach dem Motto „Besenstrich für Besenstrich“, eher weniger als mehr umsetzen und dafür auch beibehalten. Das führt bei Rückfällen nicht zur Demotivation und generiert weniger Stress - auch das ist ein gutes Vorhaben für das neue Jahrzehnt. Und wer nicht allein ist und Unterstützung erfährt, ist auch erfolgreicher in der Umsetzung und kann mit kurzzeitigen Rückfällen in alte Verhaltensmuster besser umgehen. In allen genannten Punkten kann Ihnen Ihre Apotheke vor Ort nicht als Ansprechpartner dienen, in vielen allerdings schon … Wir haben mit Apothekerin Cynthia Milz gesprochen, Sprecherin des Wissenschaftlichen Instituts für Prävention im Gesundheitswesen der Bayerischen Landesapothekerkammer (WIPIG) in München.

Frau Milz, gehen wir doch gleich zum Thema Sport: Sport oder besser gesagt ein „aktives Leben“ gelten als Wundermittel für die Vermeidung von Krankheiten. Wie startet ein „Sportmuffel“ am besten ins neue Jahr?
Milz: „Beim Thema Sport stecken viele gerne den „Kopf in den Sand“. Wer sich seit Jahren wenig bewegt, hat sehr große Schwierigkeiten wieder in Schwung zu kommen. Auch hier gilt, setzen Sie sich kleine Ziele. Nehmen Sie die Treppen statt Fahrstuhl oder Rolltreppe, gehen Sie zum Einkaufen und lassen Sie das Auto in der Garage. Bauen Sie in ihren Alltag spielerisch neue, kleine Bewegungseinheiten ein, die zu Ihnen passen, und bleiben Sie drei bis vier Wochen dabei, bevor Sie sich weiter steigern. Nach dieser Zeitspanne können Sie z. B. zusätzlich jeden Tag einen Spaziergang einbauen oder eine kleine Runde mit dem Fahrrad fahren. Einheiten von zehn Minuten dürfen Sie addieren, wenn Sie fünfmal wöchentlich 30 Minuten erreichen, haben Sie schon viel geschafft. Sie werden sehen, die ersten Wochen sind ungewohnt und hart, aber dann werden die Bewegungseinheiten immer besser von der Hand gehen. Und hinsichtlich des Themas Gewichtsreduktion: auch hier ist das Thema Sport und Bewegung von großer Bedeutung, denn durch zusätzliche Bewegung werden Kalorien verbrannt, so dass eine Diät mit Sport wesentlich gemäßigter ausfallen kann und damit leichter zu bewältigen ist.“

Zu den Themen Sport und Gewicht gehört natürlich auch die gesunde Ernährung. Für viele wird die Thematik leider immer intransparenter auf Grund der immensen Produktpalette an Nahrungsmitteln, irreführenden Bezeichnungen auf den Zutatenlisten, die Diskussion um „Lebensmittelampel“ und „Zuckersteuer“ und vieles mehr.
Milz: „In der Tat ist das für den Verbraucher mittlerweile oft schwer nachvollziehbar, welche Produkte gesund sind und welche nicht. Zucker verbirgt sich hinter vielen Begriffen, dazu gehören zum Beispiel Saccharose, Dextrose, Raffinose, Glucose, Maltose oder Malzextrakt und viele mehr. Auch mit der Lebensmittel-Ampel, dem sogenannten Nutri-Score, muss man sich als Verbraucher erstmal beschäftigen. Der Nutri-Score soll helfen, beim Einkauf schneller gesunde Produkte zu finden. Er besteht aus einer fünfstelligen Farbskala mit den Buchstaben A bis E, wobei A in Grün für die günstigste und E in Rot für die ungünstigste Nährwertbilanz steht. Der Verbraucher soll dadurch schneller den Gehalt an gesundheitsrelevanten Nährstoffen wie Fetten, Zucker und Salz erfassen können. Wer mehr Informationen möchte, muss nach wie vor die Nährwerttabelle studieren, Inhaltsstoffe wie Vitamine oder Mineralstoffe werden nicht berücksichtigt. Ein großer Nachteil der Lebensmittel-Ampel ist, dass sich schlechte Werte in manchen Bereichen durch gute Werte in anderen Bereichen ausgleichen lassen. Ein Produkt mit gutem Nutri-Score schneidet also nicht zwingend bei jedem einzelnen Inhaltsstoff gut ab. Die rechtlichen Grundlagen will die Bundesregierung bis April dieses Jahres schaffen, die Kennzeichnung ist allerdings nicht verpflichtend. Wer sich gesund ernähren will, kann sich gut an den „10 Regeln“ der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) orientieren. Die Grundsätze sind relativ einfach: Genießen Sie die unglaubliche Lebensmittelvielfalt und ernähren Sie sich abwechslungsreich. Versuchen Sie dreimal täglich Gemüse und zweimal täglich Obst zu essen, bevorzugen Sie Vollkornprodukte, ergänzen Sie Ihre Lebensmittelauswahl täglich durch Milch und Milchprodukte. Wer gerne Fisch isst, kann dies ein- bis zweimal wöchentlich machen, bei Fleisch sollten Sie nicht mehr als 300 - 600 Gramm pro Woche zu sich nehmen. Achten Sie auf „gute“ Fette wie Raps- oder Leinöl und schränken sie die Aufnahme „schlechter“ Fette ein, die sich häufig in Fertigprodukten wie Wurst und Gebäck sowie Süßwaren oder Fast-Food verstecken. Gehen Sie sparsam mit Zucker und Salz um und trinken Sie bevorzugt ca. 1,5 Liter Wasser. Zuckergesüßte und alkoholische Getränke sind Genussmittel und keine Durstlöscher. Im Übrigen sind viele Apotheker in diesem Bereich weitergebildet und bieten eine Ernährungsberatung an, dadurch kann Ihnen Ihre Apotheke vor Ort schnell und unkompliziert mit Ratschlägen zur Seite stehen, wenn Sie Fragen haben.“

Frau Milz, lassen Sie uns über das Thema Alkohol und Arzneimittel sprechen. Man sagt doch, „ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren“. Reicht ein kleiner Zeitabstand zwischen der Einnahme von Medikamenten und dem „Gläschen in Ehren“ oder wie ist das zu handhaben?
Milz: „Viele Arzneimittel vertragen sich nicht mit Alkohol. Werden sie zusammen eingenommen, können sich je nach Kombination die Wirkungen des Alkohols oder des Arzneimittels verstärken bzw. verlängern. Auch bei gelegentlichem Alkoholgenuss, kann es bei regelmäßiger Tabletteneinnahme gefährlich werden. Alkohol kann zum Beispiel die Wirkung von Psychopharmaka wie Beruhigungsmitteln oder Antidepressiva dramatisch steigern. Auch Arzneimittel für Diabetiker treten mit Alkohol in Wechselwirkung. Die Auswirkungen sind für den Patienten nicht abschätzbar, eine gezielte und offene Ansprache in der Apotheke ist hier von großer Bedeutung. Trockene alkoholkranke Personen oder Personen mit Lebererkrankungen sollten immer ein Gespräch mit Ihrem Apotheker suchen, da Alkohol auch in vielen Arzneimitteln als Hilfsstoff verwendet wird. Wie Ärzte unterliegen auch Apotheker der Schweigepflicht, so dass alle Patienten hier gut aufgehoben sind. Nur durch eine ehrliche Ansprache können auch die passenden Alternativen gefunden werden.“

Auch ein Klassiker unter den guten Vorsätzen: nicht mehr rauchen …
Milz: „Einige Apotheken bieten Rauchentwöhnungskurse mit Hilfe von Einzelgesprächen oder auch als Gruppentherapie an. Durch Rauchen kommt es innerhalb weniger Sekunden zur Aktivierung des Belohnungszentrums im Gehirn, was besonders heimtückisch ist, deshalb fällt vielen eine Nikotinabstinenz auch so schwer. Zudem fühlt man sich frischer, entspannter und auch weniger hungrig. Gerade langjährigen Rauchern fällt der Abschied von der Zigarette schwer, deshalb ist eine Entwöhnungstherapie mit motivierenden Gesprächen eine gute Möglichkeit zur Unterstützung. Generell sollte man sich nie von Rückfällen entmutigen lassen, diese sind völlig normal. Wenn Sie „zwei Schritte vor und einen zurückgehen“ haben Sie schon viel geschafft.“

Ihr Pressekontakt:
Marion Resch
Tel.: 089 - 92 62 87, E-Mail: presse(at)wipig.de

Xenia Steinbach
Tel.: 089 - 92 62 41, E-Mail: info(at)wipig.de

Anmelden